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<title>Riffkalk</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Riffkalk</span></h1>
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<p><b>Riffkalk</b> (auch <b>Riffkalkstein</b>) sind <a href="Kalkstein" title="Kalkstein">Kalksteine</a>, die aus massenhaften Ansammlungen von <a href="Koralle" title="Koralle">Korallen</a>, <a href="Schw%C3%A4mme" title="Schwämme">Schwämmen</a> und anderen festsitzende Meeresorganismen hervorgehen.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Entstehung">Entstehung</h2></div>


<p>Riffkalke entstehen vorwiegend in küstennahen oder anderen flachen Meeresregionen. Im Gegensatz zu <a href="Schillkalkstein" title="Schillkalkstein">Schillkalken</a> sind die Kalkskelette nicht durch Meereswellen zusammengespült worden, sondern im ursprünglichen Lebensraum der Organismen, oft in Lebendstellung (<i><a href="In_situ" title="In situ">in situ</a></i>), überliefert.
</p><p>In den heutigen Meeren werden Riffkalke vor allem durch <a href="Steinkorallen" title="Steinkorallen">Steinkorallen</a> gebildet. Die entsprechenden Riffkörper werden daher als <a href="Korallenriff" title="Korallenriff">Korallenriffe</a> bezeichnet. Die meist winzigen, aber in großen Kolonien lebenden Korallenpolypen haben die Fähigkeit Kalk abzuscheiden. Sie bilden im Laufe von Jahrtausenden meter- bis hundertemeter hohe Riffe. Die Riffkalke bestehen teilweise auch aus Riffschutt, der durch die <a href="Meeresbrandung" class="mw-redirect" title="Meeresbrandung">Meeresbrandung</a> oder Erdbewegungen entstand. Oft sind die Strukturen, die die Riffbildner erzeugt haben, in den Riffkalken noch erkennbar.
</p>


<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Massenkalk">Massenkalk</h3></div>

<p>Besonders mächtige und ausgedehnte Riffkalkvorkommen werden häufig als <i>Massenkalk</i> bezeichnet, um ihn von den typischen geschichteten <i><a href="Bank_(Geologie)" class="mw-redirect" title="Bank (Geologie)">Bank</a></i>- und <i><a href="Plattenkalk" title="Plattenkalk">Plattenkalken</a></i> der normalen Sedimentation abzugrenzen: Die großen Riffkalkvorkommen sind nicht so durch Sedimentationsstörungen gegliedert, sie sind meist unstrukturiert verfestigter Riff<a href="Schutt" title="Schutt">schutt</a>, der durch Wellenerosion oder Erdbeben gebildet wurde, seltener das gewachsene Riff selbst.
</p><p>Beispiele sind in Deutschland etwa aus dem <a href="Rheinisches_Schiefergebirge" title="Rheinisches Schiefergebirge">Rheinischen Schiefergebirge</a> bekannt. Das Riffwachstum begann hier im Oberen Mitteldevon und setzte sich bis zum Beginn des Oberdevon weiter fort. Wo über einen langen Zeitraum Sedimentschüttungen ausblieben, konnten sich langgestreckte Riffe im Rheinischen Schelf aufbauen, dessen Existenz heute durch den ca. 120 km langen homogenen Massenkalkzug am Nordrand des Bergischen Landes und des Sauerlandes angezeigt wird.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Dort und auch in der <a href="Eifel" title="Eifel">Eifel</a> sowie im <a href="Lahn-Dill-Gebiet" title="Lahn-Dill-Gebiet">Lahn-Dill-Gebiet</a> bilden <a href="Mitteldevon" class="mw-redirect" title="Mitteldevon">mitteldevonische</a> Riffkalke ausgedehnte Vorkommen, die an vielen Stellen für die Zementherstellung und als Naturwerksteine gewonnen werden (siehe <a href="Lahnmarmor" title="Lahnmarmor">Lahnmarmor</a>). Diese Riffkalke sind zu einem bedeutenden Teil aus <a href="Stromatoporen" title="Stromatoporen">Stromatoporen</a> (ausgestorbenen schwammähnlichen Organismen) und ausgestorbenen Korallenformen aufgebaut. Typische <a href="Leitfossil" title="Leitfossil">Leitfossilien</a> dieses Massenkalkes sind die <a href="Armf%C3%BC%C3%9Fer" title="Armfüßer">Armfüßer</a> (Brachiopoda) <i><a href="Stringocephalus_burtini" title="Stringocephalus burtini">Stringocephalus burtini</a></i> und <i>Uncites gryphus</i>.
</p><p>Geologisch jüngere Massenkalke sind etwa aus dem bis 500&nbsp;m mächtigen <a href="Wei%C3%9Fjura" class="mw-redirect" title="Weißjura">Weißjura</a> der <a href="Schw%C3%A4bische_Alb" title="Schwäbische Alb">Schwäbischen</a> und <a href="Fr%C3%A4nkische_Alb" title="Fränkische Alb">Fränkischen Alb</a> bekannt. Insbesondere auf der <a href="Mittlere_Kuppenalb" title="Mittlere Kuppenalb">Mittleren Kuppenalb</a> sind mittlere und obere (also jüngere) Schichten des Weißjura sehr häufig als Massenkalk in Form von Schwammriffen ausgebildet. Häufig sind Riffkalke auch in der <a href="Trias_(Geologie)" title="Trias (Geologie)">Trias</a> der <a href="N%C3%B6rdliche_Kalkalpen" title="Nördliche Kalkalpen">Nördlichen Kalkalpen</a>, z.&nbsp;B. im Tennengau als <a href="Adneter_Marmor" title="Adneter Marmor">Adneter Marmor</a>, im <a href="Wettersteinkalk" title="Wettersteinkalk">Wettersteinkalk</a> und im <a href="Dachsteinkalk" title="Dachsteinkalk">Dachsteinkalk</a> (meerseitige Riffzone dieses Lagunenkalks).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Eigenschaften_und_Verwendung">Eigenschaften und Verwendung</h2></div>

<p>Riffkalke können verschiedenartig gefärbt sein und haben ein gebändertes oder fleckenhaftes Aussehen. Die Farben der Riffkalke sind meist weißlich oder gelblich, bisweilen auch rötlich, rotbraun, braun oder grau bis schwarz.
</p><p>Die Erscheinungsformen von Riffkalken sind wegen der biologischen Vielfalt in den ehemaligen Riffen sehr wechselhaft. Typische Merkmale sind einzelne Riffbruchstücke und Bio<a href="Klasten" title="Klasten">klasten</a> wie <a href="Stromatoporen" title="Stromatoporen">Stromatoporenteile</a>, kleine Gerölle von <a href="Schalentiere" class="mw-redirect" title="Schalentiere">Schalentieren</a> und Korallenteile. Sie kommen in dickbankiger, fast ungeschichteter <a href="Fazies" title="Fazies">Fazies</a> wie auch in gebankter Form vor.
</p><p>Bei den Riffkalken handelt es sich um dichte <a href="Naturstein" title="Naturstein">Natursteine</a>, sie sind deshalb meistens gut polierfähig. Oft werden dichte Riffkalke fälschlicherweise als <a href="Marmor" title="Marmor">Marmor</a> bezeichnet, so zum Beispiel der <a href="Lahnmarmor" title="Lahnmarmor">Lahn-Marmor</a>, sie gehören jedoch zur Gesteinsfamilie der <a href="Kalkstein" title="Kalkstein">Kalksteine</a>. Polierte Riffkalke werden in der Architektur für Innenwandbekleidungen, Bodenbeläge und Treppen verwendet. Wegen ihrer dekorativen Wirkung hat man sie zeitweilig sehr häufig zu künstlerischen und kunstgewerblichen Zwecken eingesetzt.
</p><p>Wie andere Kalksteine werden Riffkalke auch als <a href="Zuschlagstoff" title="Zuschlagstoff">Zuschlagstoffe</a>, etwa in der <a href="Eisenverh%C3%BCttung" class="mw-redirect" title="Eisenverhüttung">Eisenverhüttung</a>, oder zur <a href="Zement" title="Zement">Zementherstellung</a> abgebaut.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Natursteinsorten">Natursteinsorten</h3></div>
<p>Riffkalke wurden, da sie polierfähig sind, historisch fälschlicherweise oft als <a href="Marmor" title="Marmor">Marmore</a> bezeichnet.
Einige Beispiele hierfür sind:
</p>
<ul><li><i>Weinberg-Marmor</i>, bestehend aus Riffkalkschutt, <a href="Kerpen" title="Kerpen">Kerpen</a></li>
<li><i>Zisterzienser-Marmor</i>, Riffkalk, <a href="%C3%9Cxheim" title="Üxheim">Üxheim</a> bei <a href="Gerolstein" title="Gerolstein">Gerolstein</a>/Eifel</li>
<li><i>Edelfels-Marmor</i>, Riffkalk, <a href="Diez" title="Diez">Diez</a> an der <a href="Lahn" title="Lahn">Lahn</a></li>
<li><i><a href="Lahnmarmor" title="Lahnmarmor">Lahn-Marmor</a></i>, früher <i>Nassauer Marmor</i> genannt, <a href="Devon_(Geologie)" title="Devon (Geologie)">devonischer</a> Riffkalk, <a href="Villmar" title="Villmar">Villmar</a> an der <a href="Lahn" title="Lahn">Lahn</a></li>
<li><i><a href="Adneter_Marmor" title="Adneter Marmor">Adneter Marmor</a></i>, die <i>Tropfmarmore</i> sind massige, bunte <a href="Rhaetium" title="Rhaetium">rhätische</a> Riffkalke</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Kohlenstoffzyklus" title="Kohlenstoffzyklus">Kohlenstoffzyklus</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Roland_Vinx" title="Roland Vinx">Roland Vinx</a>: <i>Gesteinsbestimmung im Gelände.</i> 2. Auflage. Springer-Verlag, Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8274-1925-5, S.&nbsp;313&nbsp;f.</li>
<li>Katrin Hauer, Christian F. Uhlir: <i>Adneter Marmor. Entstehung, Material, Abbau, Geschichte und seine Bedeutung als Kulturerbe.</i> Verlag Books on Demand, Norderstedt 2011, ISBN 9783842381520.</li>
<li>Franz Kretschmer, Hubert Kretschmer, Franz Zoglmaier: <i>Marmor aus Adnet.</i> Herausgegeben vom Salzburger Bildungswerk, örtliches Bildungswerk Adnet, Verlag Gemeinde Adnet/Salzburg, Adnet 1986, (Heimatbuch Adnet 1).</li>
<li><a href="Alois_Kieslinger" title="Alois Kieslinger">Alois Kieslinger</a>: <i>Die nutzbaren Gesteine Salzburgs</i> (= <i><a href="Mitteilungen_der_Gesellschaft_f%C3%BCr_Salzburger_Landeskunde" title="Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde">Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde</a>.</i> Ergänzungsband 4). Verlag Das Bergland-Buch, Salzburg / Stuttgart 1964.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Reef_limestone?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Riffkalk</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://geomuseum.tu-clausthal.de/gesteine.php?section=22260&amp;level=10&amp;name=Kalkstein&amp;details=&amp;nr=1&amp;select=1&amp;art=Aufschluss">Abbildung eines Riffkalks</a>, auf geomuseum.tu-clausthal.de</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.geologie.uni-frankfurt.de/Gesteine/Gesteine-Seiten/Bild66.html">Vergrößerte Abbildung eines Riffkalks</a>, auf geologie.uni-frankfurt.de</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.isar-kiesel.de/sedimentgesteine.html#wettersteinriffkalk">Riffkalk vom Wetterstein als Kieselstein</a>, auf isar-kiesel.de</li>
<li><a href="https://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Massenkalk" class="extiw external" title="mineralienatlas:Massenkalk">Mineralienatlas:Massenkalk</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://marmormuseum.adnet.at/">Marmormuseum Adnet</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=9wJHMwtxYx4">Video Großer Tropfbruch Adnet</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite">Koch, Lutz: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.l-koch.de/texte/text_honsel.html"><i>Die Honsel-Formation im nord-westlichen Sauerland.</i></a> In: <i>l-koch.de.</i> 17.&nbsp;Mai 2006,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 19.&nbsp;Januar 2024</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3ARiffkalk&amp;rft.title=Die+Honsel-Formation+im+nord-westlichen+Sauerland&amp;rft.description=Die+Honsel-Formation+im+nord-westlichen+Sauerland&amp;rft.identifier=http%3A%2F%2Fwww.l-koch.de%2Ftexte%2Ftext_honsel.html&amp;rft.creator=Koch%2C+Lutz&amp;rft.date=17.05.2006&amp;rft.language=de">&nbsp;</span></span>
</li>
</ol>
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Normdaten&nbsp;(Sachbegriff): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/4296253-5">4296253-5</a></span> </div>
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